Test von Netzteilen für Gitarren- und Basseffektgeräte


Als Roel Alben von Dr. No ein neues Netzteil für Effektgeräte angekündigt hatte, war meine Neugier gleich geweckt. Der Werbetext klang zu gut um wahr zu sein, dann anscheinend sollten viele Probleme mit einem Gerät erledigt werden: 

 

I have worked hard last year to give the musicians the best Power Supply on the market. The best thing is that it truely 100% silent and does not give any HUM, BUZZZ and NOISE at all!!!!

Other cool features are:

*Reversed polarity (common for effect pedals).

*It made with high quality electronic components.

*Optimized and stabilized output.

*It has a short circuit and overload protection.

*Low on energy consumptions but maximum performance.

*Unique integrated noise eliminator circuit to cut buzz and hum to obtain an undisturbed signal transfer for a crystal clear sound.

* Multiple pedals can be easily powered with this single adapter, so no more expensive and "pedal board consuming" power-packs.

*Durable 1.5mtr (59") long power cord with reinforced cord connection.

*Linear power supply that will adapt automatically to any input voltage between 100V and 240V.

*Ideal for traveling and touring etc.

I have it on the market for € 34,-

 

Das klingt gut. In einer Facebookgruppe bekam Jan ein Gerät zur Verfügung gestellt, um es zu testen. Im Verlauf der Diskussion in der Facebookgruppe wurde jedoch bekannt, dass es sich bei dem Gerät nur um ein umgelabeltes Netzteil der Fa. Stagg handeln soll, welches für nur 12 € zu haben ist. Darauf hin habe ich besagtes Netzteil von Stagg gekauft, um es zu untersuchen. Vom Administrator der Facebookgruppe bekam ich kurzfristig eins der neuen Geräte von Dr. No zur Verfügung gestellt, um die beiden miteinander vergleichen zu können.

Im Test habe ich noch einige andere Netzteile mit einbezogen, um einen besseren Überblick zu bekommen.


Material, Testkandidaten und Testdurchführung

  • Dr. No PSU PSU-9V1A7R-EU
  • Stagg PSU PSU-9V1A7R-EU
  • Thomann DSC-6PFA-12 FEU
  • Electro Harmonix
  • CIOKS Baby
  • FAME DCT200

 

Bei dem Test wollte ich zwei Punkte untersuchen. Zum einen wie stark das durch das Netzteil hervorgerufene Rauschen bzw. die Störungen im Effektsignal sind, zum anderen in wie weit sich das Dr. No vom Stagg unterscheidet.

Die Geräte von Dr. No, Stagg und Thomann sind allesamt Schaltnetzteile. Demnach bieten sie ordentlich Leistung bei vergleichsweise geringem Gewicht. Allerdings gibt es andere Nachtiele...siehe unten.

Das Netzteil von EHX ist das Originalnetzteil zur Talking Machine. EHX bietet hier eine etwas höhere Spannung an, nämlich 9,6 Volt. Das Netzteil ist ein klassisches lineares Netzteil.

Das kleine Baby von CIOKS ist auch ein lineares Netzteil mit fünf Ausgängen. Diese sind allerdings nicht galvanisch getrennt, sondern ganz einfach parallel geschaltet. Damit hat man den gleichen Effekt wie bei einem Daisy-Chain-Adapter - die Gefahr von Brummschleifen steigt.

Das Gerät von Fame ist ein Multinetzteil, recht klobig aber mit galavanisch getrennten Ausgängen. Allerdings ist es mit Abstand das schwerste Gerät im Test (meine Küchenwaage sagt 1,26 kg, das Thomann wiegt hingegen nur 68 Gramm).

 

Um den Einfluss des Netzteils auf das Ausgangssignal zu testen, habe ich verschiedene Effektgeräte ausprobiert und mich für eins entschieden, was die Störungen am besten hörbar macht. Nachdem ich verschiedene Zerrerpedale ausprobiert habe (Danelectro FabTone, Boss BD2 Blues Driver, Ibanez TS5 Tube Screamer), bin ich beim MS10 METAL CHARGER von Ibanez hängen geblieben. Bei dem Gerät schlägt sich viel von dem, was bei der Versorgungsspannung passiert, auf das Ausgangssignal nieder. Dabei habe ich Distortion und Level jeweils auf max gedreht, die Tonregler jeweils auf 12 Uhr. Den Eingang habe ich kurzgeschlossen, damit auch wirklich nur das Eigenrauschen des Zerrers sowie die aufmodulierten Störungen der Netzteile gemessen werden. Vom Zerrer ging es in den Mikrofoneingang eines MDS-JA3ES Minidisc Recorders von Sony, um den doch recht geringen Signalpegel anzuheben. Von dort in den Line-in meiner Soundkarte. Aufgenommen habe ich mit Audacity Version 2.0.5. Mein Laptop lief während der Aufnahmen ausschließlich auf Akkubetrieb, um Störungen durch das Laptopnetzteil ausschließen zu können.


Spannungskonstanz

Zunächst habe ich die Ausgangsspannung ohne Last, danach mit Last gemessen. Ziel war es, die Netzteile möglichst nah an Ihre Leistungsgrenze zu bringen, um einen guten Eindruck zu gewinnen, wie stark die Spannung einknickt. Leider haben die dafür benötigten Lastwiderstände teilweise recht exotische Werte, so dass ich sowohl beim Dr. No als auch beim Stagg leider unter 90% Belastung bleiben musste.

Netzteil ohne Last mit Last Last in % Delta U in %
Dr. No 9,11 V 8,73 V 85,6 4,2
Stagg 9,15 V 8,77 V 85,6 4,2
Thomann 9,33 V 9,23 V 96,2 1,1
EHX 9,64 V 9,58 V 93,6 0,6
CIOKS 8,98 V 8,75 V 94,7 2,6
FAME 8,65 V 8,49 V 91,2 1,9

Wie man sieht, ist sowohl das Gerät von EHX als auch das von Thomann recht laststabil. Sowohl das Dr. No als auch das Stagg sind hier die Verlierer.


Rauschverhalten

Ein wichtiges Kriterium ist natürlich das Rauschverhalten. Wie stark beeinflusst die Spannungsversorgung das Ausgangssignal? Ich habe wieder nacheinander alle Netzteile getestet. Zusätzlich habe ich den Zerrer mit Batterie betrieben, diese Messung ergibt das Eigenrauschen des Zerrers ohne Einfluss eines Netzteils.

Alle Aufnahmen wurden mit den selben Einstellungen vorgenommen, d.h. der Aufnahmepegel ist bei allen Aufnahmen gleich. Bei den Tracks sind die ersten 5 Sekunden jeweils das Rauschen mit Batterie, danach kommen zehn Sekunden Rauschen mit dem jeweiligen Netzteil.

Das Gerät von Thomann fällt hier ganz klar durch (deswegen habe ich es überhaupt als Kandidat mit aufgenommen ;-). Man hört ein ziemlich deutliches Pfeifen. 

Die beiden Geräte von Dr. No und Stagg erzeugen ein gut hörbares Brutzeln, was daher kommt, dass die beiden Geräte Schaltnetzteile sind. Allerdings ist der Ausgang zumindest hochfrequent besser gefiltert als das Gerät von Thomann, daher sind sie vergleichsweise leise. 

Das Gerät von EHX erzeugt leider einen hörbaren Brummton. Für meinen Geschmack ist der Glättungskondensator zu knapp bemessen (schaltplan siehe unten).

Die beiden Netzteile von CIOKS und Fame sind hier die Gewinner. Es ist nur wenig mehr Rauschen hörbar als im Batteriebetrieb.


Rauschen mit stärkerer Belastung

Im weiteren Verlauf habe ich alle Netzteile zusätzlich mit einem Lastwiderstand belastet, um den Einfluss auf die Versorgung hörbar zu machen. Die Belastung war gleich wie im ersten Test.

Ganz klar, das hier wieder das Gerät von Thomann das Schlusslicht bildet.

Die beiden Netzteile von Dr. No und Stagg haben zwar stärkeres Rauschen, aber keinen Fiepton.

Beim Gerät von EHX wird das Brummen nun noch lauter. Wie oben schon geschrieben, hätte die Siebung besser ausfallen können.

Sowohl beim CIOKS als auch beim Fame treten nun auch ein leichtes Brummen auf, welches aber wesentlich geringer ausfällt als das vom EHX-Netzteil. 


Daisy-Chain mit zweitem Effektgerät

Für den letzten Test habe ich ein zweites Effektgerät per Daisy-Chain vor den Metal Charger geschaltet. Als Effektgerät habe ich die oben schon erwähnte EHX Talking Machine gewählt, da dies ein digitales Effektgerät ist. Das bedeutet, das Gitarrensignal wird im Gerät digitalisiert, durch einen digitalen Signalprozessor verändert, und dann wieder in ein analoges Signal gewandelt. 

Ein weiterer Grund für diese Wahl war, dass das mein Effektgerät mit dem höchsten Stromverbrauch ist, welches ich habe. Die Ergebnisse sind, ich sage mal, interessant:

Tja, hier klingt ja alles relativ mies. Grund dafür ist die Talking Machine in Verbindung mit dem Daisy-Chain-Adapter. Der oben erwähnt digitale Signalprozessor (ADSP-BF531 von Analog Devices) läuft nicht mit 9 Volt, sondern mit 1,2 Volt. Die Spannung wird mit einem Schlatregler (CS51413 von ON Semiconductor) von 9 V auf 1,2 V runter geregelt. Und dieser Regler stört in die Spannungsversorgung ein. Klarer Verliere bei diesem Test: die Talking Machine.

 

Ohne Daisy-Chain übertragen sich die Störungen nicht in andere Geräte, wie das folgende Sample zeigt. Ich habs auch in der obigen Konfiguration aufgenommen, außer dass ich den Metal Charger und die Talking Machine aus unterschiedlichen Ausgängen des Fame-Netzteils versorgt habe.


Dr. No vs. Stagg

Im Test verhalten sich die beiden Geräte von Dr. No und Stagg nahezu identisch. Da ich auch bei meinem Dr. No Netzteil den Sticker abziehe konnte, habe ich beide Geräte kurzerhand geöffnet um die Innerein miteinander zu vergleichen:

Es hat sich bestätigt, beide Netzteile sind identisch. Ich habe Dr. No angeschrieben und ihm davon berichtet. Aktuell ist der Status noch ungeklärt. Eine Antwort seitens der Herstellerfirma soll im Laufe der Woche kommen, dann werde ich das hier ergänzen.


Fazit

Mein persönlicher Testsieger ist das Multinetzteil von Fame. Die Ausgangsspannung liegt etwas unterhalb von 9 Volt, was ich bisher jedoch nicht als störend empfunden habe. Da das Gerät galvanisch getrennt Ausgaänge besitzt, können sich auf die Versorgungsspannung aufmodulierte Störungen nicht in andere Geräte übertragen.

Das CIOKS Baby gefällt mir für den Hausgebrauch sehr gut, das es klein ist und eine sehr saubere Ausgangsspannung liefert. Da es sich dabei nicht um ein klassisches Steckernetzteil handelt, sondern mit einem Netzkabel mit der Steckdose verbunden wird, hat man etwas mehr Spielraum betreffend der Nähe zu einer Steckdose. Nachteil ist, dass die Netzleitung ja Wechselspannung überträgt, d.h. es besteht die Gefahr, dass Brummstörungen in (qualitativ schlechte Gitarren-)kabel einkoppeln. Bei den Steckernetzteilen besteht die Gefahr entsprechend nicht.

Das EHX hat mich aufgrund des höheren Brummanteils etwas enttäuscht. Das Problem tritt allerdings nicht auf, wenn man damit zum Beispiel die Talking Machine versorgt, da diese ja intern die Spannung sowieso nochmal regelt. Da auf dem Netzteil allerdings steht "Replacement for BOSS and IBANEZ" hinterlässt das ganze dennoch einen leicht unangenehmen Nachgeschmack.

 

Bei den Schaltnetzteilen fällt das Thoman ganz klar durch. Für analoge Effekte würde ich es nicht verwenden. Ich habe allerdings noch einen Korg Pandora PX3, der damit ganz hervorragend funktioniert. Auch hier sitzt ein DSP drin, und die Spannnung wird intern geregelt. Allerdings sind die Ansprüche an einen kleinen Übungskopfhörerverstärker auch nicht so hoch.

 

Die beiden Dr. No und Stagg sind recht gute Geräte. Kein Pfeifton, allerdings verhältnismäßig starkes Rauschen. Mit 1,7 Ampere ist es stark genug, eine ganze Reihe von Effekten zu versorgen, vorausgesetzt, der Spannugseinbruch um bis zu 0,4 Volt stört einen nicht. Das Netzteil spart viel Platz und Gewicht, und ein Daisy-Chain-Adapter mit 5 Ausgängen liegt zumindest dem Dr. No bei. Hat man allerdings einen Störer wie die Talking Machine mit dabei, ist der ganze Vorteil dahin und man kommt um ein weiters Netzteil nicht drum rum. 


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