Revox A78 MKII


Tja, sowas blödes - da hab ich doch glatt Fälschungen gekauft. Transistoren werden in letzter Zeit leider immer häufiger gefälscht. Der Händler hat die Transistoren so von einem Distributor gekauft, er selbst wurde also schon Opfer von Betrug. Zum Glück ist der Händler kulant und ich bekomme mein Geld zurück.

Interessante Links dazu: hier und hier.

Ich hab mal einen der Transistoren mit dem Dremel aufgemacht. Der DIE ist viel zu klein. Typisch für Fälschungen auch die Silikonmasse auf dem DIE. Außerdem ließ sich der Druck einfach mit Aceton entfernen - bei den Originalen ist die Bezeichnung mit Laser eingebrannt.

Hier ein Vergleich mit einem originalen 2N3055 (rechts). Der Winkel im diagonalen Bogen des S (im Logo von ST) ist bei der Fäschung wesentlich steiler. Auch fällt der unsaubere Druck auf.


Heute habe ich mich an die Eingangspegelregler gemacht. Diese kratzten und gaben ein schlechtes Signal von sich. Kein Wunder: der Vorbesitzer hatte sämtliche Potis in Kontaktspray getränkt. Kontaktspray beinhaltet aber Öl, und das wird im Laufe der Zeit ranzig und zieht dann Schmutz an. Daher immer nur mit Tunerspray oder Lektroclean reinigen!

Leider sind die Potis nicht gekapselt, wodurch sich Schmutz und Staub ungehindert auf der Kohlebahn ablagern kann. Also: alle Potis raus und durch neue ersetzen. Leider sind die schwer zu beschaffen. Die Typen PT15 NV17 passen, aber die habe ich bisher nur bei Distrelec gefunden. Ich habe mir die Bestellnummer mal rausgeschrieben, aber da kommt bestimmt noch was zu...


Heute habe ich den Verstärker weiter demontiert. Dabei habe ich noch so einige in Kontaktspray getunkte Teile gefunden. Gruselig.

Die Filterplatine. Sämtliche Schalter schwimmen im Öl. Kein Wunder, dass es beim umschalten knackt und knistert. 

Hier waren die Drehregler befestigt. Ich habe selten so viel Schmierkram in einem Elektrogerät gesehen. 

Ich habe sämtliche Drehschalter zerlegt. Durch die Spezialbehandlung mit Öl sind die Kontaktzungen (hier nicht zu sehen) korrodiert und haben auf den Kontaktbahnen eine schöne Patina hinterlassen. Bäh. Erstmal Reinigung mit Putzmittel und dann...

mit dem Glasradierer den Siff entfernt.

Alle zu reinigenden Teile wurden bereits gesäubert und trocknen noch. Die Gegenstücke der Drehschalter liegen noch im Bad mit Corega-Tabs. Die Knöpfe waren auch ziemlich dreckig, die bekommt man aber mit mit Spülmittel und ner Zahnbürste blitzeblank.

In der Zwischenzeit habe ich mir eine Bestellliste gemacht und mich schon ein bisschen um die Elektronik gekümmert.

Die Netzteilplatine. Da der Vorbesitzer keinen axialen Elko hatte, wurde kurzerhand ein radialer verbaut und das Bein mit einem Draht verlängert. Brrr - raus damit!

Ebenso die beiden Transistoren, die der Versorgungsspannung für die Vorstufen bestimmt einiges an Rauschen mit auf den Weg gegeben haben. Hier kommen neue rauscharme Typen hin. Die restlichen Kondensatoren werden auch gewechselt, ebenso die Widerstände. Alte Kohleschichtwiderstände haben die Tendenz zu Rauschen. Also kommen später neue Metallfilmwiderstände rein.

Die Sicherungshalter sehen auch nicht mehr taufrisch aus :) Ich habe noch welche aus Kupfer, die sind schon eingelötet. Fotos folgen.


Leider saß der Dreck so fest, dass meine Reinigungsaktion von gestern nur wenig gebracht hat. Ich muss alle Schalter demontieren und die Einzelteile mit Isopropanol reinigen. Aceton wäre besser, aber ich glaube nicht, dass der Kunststoff der Taster das mag.

Einen Taster habe ich schon mal zerlegt...

... und gereinigt:

Die Kontakte der Drehschalter habe ich heute allesamt mit dem Glasradierer bearbeitet. Kleines Quiz: welcher Kontakt ist gereinigt, welcher noch nicht? =)

Die Filterplatine. Zwei Schalter sind schon ausgelötet. Ich habe schon damit angefangen, die Widerstände zu tauschen. Ich hatte fast alle benötigten Typen in meiner Bastelkiste. 

Auf den restlichen Platinen habe ich auch noch den ein oder anderen Widerstand getauscht. Und als schönen Abschluss für heute habe ich noch 4 originale Endtransistoren gefunden. Juhu!


Ich musste jetzt länger auf Material warten. Heute kam dann ein Paket von Reichelt, und die haben auch gefälschte Transistoren im Programm:

Die sind qualitativ noch schlechter als die ersten (s.o.), obwohl die exakt gleich gelabelt sind. Den Test, ob sich das Label mit Aceton lösen lässt, habe ich mir erspart.